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Fakultät Sozialwissenschaften

2026

Wissenschaft, Innovation und Gesellschaft: sfs auf dem Eu-SPRI Forum 2026

Dekorative Fotografie aus dem Plenarsaal der Konferenz mit zahlreichen Hinterköpfen und einer Leinwand in größerer Entfernung © Daniel Krüger​/​TU Dortmund
Impression aus dem Plenarsaal
Die diesjährige Konferenz des European Forum for Studies of Policies for Research and Innovation (Eu-SPRI Forum) fand vom 10. bis zum 12. Juni in Valencia, Spanien, statt und wurde von der Universitat Politècnica de València (UPV) organisiert. Die Sozial-forschungs¬stelle war mit sechs Beiträgen, drei organisierten Streams und einer Special Session stark vertreten.

Unter dem Thema ‘Questioning the contributions of Science and Innovation to Society” setzte sich die diesjährige Konferenz des Eu-SPRI Forums in Valencia in den Podiumsdiskussionen und Keynotes kritisch mit dem Beitrag von Wissenschaft und Innovation für Gesellschaft auseinander. So wurde wiederholt betont, dass die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Innovation und Innovationspolitik die Relevanz für aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen im Auge behalten und sich diesbezüglich kontinuierlich kritisch reflektieren müsse. Keynotespeaker Andy Stirling hob so beispielsweise hervor, wie zu eng gerichtete Innovationspolitiken geöffnet, durch demokratische Prozesse komplementiert und der Pluralität von Innovation besser gerecht werden könnten.

In den Streams und Sessions der Konferenz wurde oftmals ein ähnlicher Ton angeschlagen und die Pluralität von Innovation und die Bedeutung von praxisrelevanter Innovationsforschung wurden durch eine Vielfalt an Beiträgen deutlich. So war auch Soziale Innovation wiederholt Gegenstand von Beiträgen und das nicht nur in Streams und Sessions in denen das Thema ausdrücklich im Mittelpunkt stand. Viel mehr war erkennbar, dass Soziale Innovation ein Querschnittsthema ist, das sich durch viele Arbeiten mit unterschiedlichsten Schwerpunkten zieht.

Mit den Streams ‘Social innovation in turbulent times’, ‘Responsible research and innovation in health: emerging challenges for governance and practice’ und ‘Dialogues on the directionality of innovation: alternative innovation paradigms from the Global South’, gaben Wissenschaftler*innen der Fakultät Sozialwissenschaften der TU Dortmund aus der Sozial­forschungs­stelle und der Arbeits- und Organisationssoziologie  den Perspektiven auf Soziale Innovation und anderen, alternativen, Innovationsansätzen besonders viel Raum und stoßen auf das Interesse der Konferenzteilnehmenden. Hinzu kamen Beiträge von SFS-Wissenschaftler*innen in verschiedenen Sessions.  

Im Stream ‘Social Innovation in turbulent times’, organisiert von Karina Maldonado-Mariscal, Jürgen Howaldt, Rick Hölsgens, Bonno Pel, Elisabeth Unterfrauner, Doris Schartinger, Matthias Weber, Marthe Zirngiebl, Katrin Ostertag und Jakob Edler, wurden zwei Sitzungen abgehalten. In der ersten Sitzung wurden theoretische Fragen, Messungen und Prozesse sowie eine Umfrage zum Thema soziale Innovation behandelt. In der zweiten Sitzung lag der Fokus stärker auf Governance und Macht. Karina Maldonado-Mariscal stellte gemeinsame Forschung zum Thema ‘Trajectories of Exnovation’ vor.

Der von Álvaro Fernández-Baldor, Karina Maldonado-Mariscal, Tiago Brandão und Carolina Bagattolli organisierte Stream ‘Dialogues on the directionality of innovation: alternative innovation paradigms from the Global South’, bot eine sehr internationale Diskussion. In diesem Stream gab es drei Sitzungen. Auf besonderes Interesse stießen die verschiedenen Innovationsansätze aus unterschiedlichen Regionen: Buen Vivir in Guatemala, Buen Vivir und soziale Technologie in Südmexiko, traditionelles Segeln in Kolumbien, Perspektiven der Macht und Institutionalisierung aus Kanada, Bauern in Ecuador, exklusive Innovationspolitik, Maker-Spaces im afrikanischen Kontext und die Transition-Dynamiken in Fahrradstädten in Brasilien.

Im Stream ‘Responsible research and innovation in health: emerging challenges for governance and practice’, organisiert von Julius Wiegand und Katharina Hast (Fakultät Sozialwissenschaften, Arbeits- und Organisationssoziologie) sowie weiteren spanischen Kolleg*innen, wurden insgesamt vier Sitzungen gestaltet. In den ersten beiden Sitzungen standen KI-gestützte Innovationsökosysteme, Pharma- und Biotech-Dynamiken sowie regulatorische Pfade bei Orphan Drugs im Mittelpunkt. Die dritte Sitzung fokussierte auf Bürgerbeteiligung, Krankheitslasten und Klimarisiken, während die vierte Sitzung Verantwortung, Werte und öffentliche Deliberation in kontroversen Gesundheitsforschungskontexten in den Mittelpunkt stellte. Anhand dieser vielfältigen Fallbeispiele wurde das übergreifende Tagungsmotto in Bezug auf Innovation und Gesundheit kontrovers diskutiert.

Mit dem Beitrag ‘Operationalising science-policy co-creation in EU Missions: Reflections from the Social Innovation Mission Facility’ stellten Marthe Zirngiebl und Jürgen Howaldt erste Ergebnisse einer Review aus dem EU-Projekt Social Innovation Mission Facility vor und beleuchteten dabei die Rolle von Sozialen Innovationen für die EU Missionen. Die von Jürgen Howaldt und Projektkoordinator Wolfgang Haider (Zentrum für Soziale Innovation) organisierte Special Session ‘Missing in Action – Social Innovation for the next generation of goal-oriented R&I Policy in Europe: From Policy rhetoric to practice’ widmete sich unter Beteiligung von Konsortialmitgliedern und externen Perspektiven der Frage, wie Soziale Innovationen in der Etablierung von missions-orientierter Innovationspolitik in allen Schritten von Programmierung, über Governance bis hin zu Implementierung ausreichend beachtet werden können. 

In dem Beitrag ‘Integrated digital, technological and social innovations: Case study of a company on its way to energy autarky’ wurde von Lana Fassbender ein Unternehmen beleuchtet, dass in wenigen Jahren erfolgreich den Weg in Richtung Energieautarkie eingeschlagen hat. Dabei wurde diskutiert, welchen Einfluss das Zusammenwirken von technischen, sozialen und digitalen Innovationen auf die Transformation hat und welche Rolle kleine und mittelständische Unternehmen bei der Erreichung der Klimaneutralität von Städten einnehmen.

Im Beitrag ‘Impact of research and innovation policies on the diffusion and establishment of social innovation offerings at German higher education institutions’ lag der Fokus auf den Bedingungen der langfristigen Etablierung von Aktivitäten rund um Soziale Innovationen in Forschung, Lehre und Transfer an deutschen Hochschulen. Ein Schwerpunkt der Präsentation in der Session ‘Private and public research organisations in transforming innovation systems: rethinking governance, capabilities and shared value creation for systemic change’ lag auf der Bedeutung von Förderprogrammen als innovationspolitischem Anreiz für Hochschulen. So schloss der von Daniel Krüger präsentierte Beitrag mit Katrin Bauer, Christoph Kaletka, Ralf Kopp Marthe Zirngiebl, Alexander Dederichs und Carlotta Buchholz an die Diskussionen rund um die Frage der Übernahme von sozialer Verantwortung und entsprechender Neuausrichtungen von Hochschulen an und wurde in Hinblick auf international relevante Implikationen rege diskutiert.