Werkstatt "Mitbestimmung 0.0": Werte der Arbeitswelt und Demokratie in Betrieb und Gesellschaft

Auch Arbeiten, die nur geringe oder keine anerkannten Berufsqualifikationen erfordern, sind unerlässlich für das Funktionieren einer Gesellschaft. Dies lässt sich zum Beispiel in den Kliniken und Krankenhäusern beobachten, wo Servicegesellschaften für hygienisch saubere Zimmer und OP-Säle, frische Wäsche, auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmte Mahlzeiten und die reibungslose hausinterne Logistik sorgen. Oft fehlen gerade in diesen Betrieben Mitbestimmungsstrukturen, die sich auf die Belange der Beschäftigten richten. In der Folge wenden sich Beschäftigte von den demokratischen Institutionen ab, wenn sie im Betrieb unter schlechten Arbeitsbedingungen leiden und keine Partizipationsmöglichkeiten haben.
Das von der Hans-Böckler-Stiftung in der Förderlinie Transformation geförderte und von der Sozial­forschungs­stelle Dortmund in Kooperation mit ver.di Westfalen und dem Betriebsrat der ServiceDO gGmbH durchgeführte Projekt “Einfach­arbeit und Mitbestimmung” entwickelt für Betriebsräte im Einfacharbeitssegment Strategien zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Schaffung von Möglichkeiten des Demokratieerlebens. Für die sfs bearbeiten Dr. Peter Ittermann, Dr. Tobias Wienzek und Jens Maylandt das Projekt.
Vom 6. bis zum 8. Mai war der Betriebsrat der ServiceDO, der Servicegesellschaft des Klinikums Dortmund zu Gast in der Sozial­forschungs­stelle Dortmund. Das neu gewählte Gremium hat sich in den drei Tagen strategisch aufgestellt und interne Strukturen und Zuständigkeiten definiert. Ein wichtiges Element der Klausurtagung war das Werkstattseminar „Mitbestimmung 0.0 – Moderne Arbeit und starke Mitbestimmung bei der ServiceDO“, das die verschiedenen Rollen der Akteure als Beschäftigte mit eigenen Wertvorstellungen, Bürger einer demokratisch verfassten Gesellschaft und gewählte Interessenvertretungen im Betrieb in den Vordergrund stellte. Unter dem Label „Mitbestimmung 0.0“ wurden somit Themen und Kenntnisse behandelt, die vor den üblichen Schulungen zum Betriebsverfassungsgesetz ansetzen.
In dem Workshop ging es darum zu reflektieren, welche Werte in der Arbeitswelt für jeden Einzelnen, aber auch das Gremium im Ganzen zentral sind, aber auch welche Werte nach Einschätzung des Gremiums für die Belegschaft und für den Arbeitgeber einen besonderen Stellenwert haben könnten. Daran anschließend wurde die Demokratie als zentrales Organisationsprinzip der Gesellschaft behandelt. In der Diskussion kamen verschiedene Sichtweisen auf und Erwartungen an die Demokratie zum Vorschein. Abschließend haben wir die Rolle des Betriebsrats als demokratisches Element innerhalb der nicht vorrangig demokratisch organsierten Institution „Betrieb“ behandelt und diskutiert, wie der Betriebsrat mit seinen institutionellen und informellen Ressourcen zentrale Werte in der Arbeitswelt stärken kann.
Die Teilnehmenden haben sich und ihre Einstellungen während des Workshops besser kennengelernt und gemeinsame Standpunkte und Strategieansätze ausarbeiten können. Die Erweiterung der Perspektive über die klassischen Anwendungsgebiete des Betriebsverfassungsgesetzes hinaus wurde von ihnen als sehr inspirierend empfunden.






