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Fakultät Sozialwissenschaften

PETRA: AI-gestützte, edukative Therapiebegleitung für die Perimenopause

01.11.2025 - 31.10.2028

Im Projekt PETRA werden in einem interdisziplinären Verbund aus Forschungseinrichtungen und Praxispartnern Forschungslücken zur Perimenopause adressiert, indem eine bedarfsgerechte und KI-gestützte App entwickelt wird, die Frauen mit perimenopausalen Symptomen eine edukative Therapiebegleitung ermöglicht.

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Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt

Die Perimenopause kann mit einer Vielzahl von physischen und psychischen Symptomen einhergehen, wie Hitzewallungen und Schwitzen, aber auch Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen (Woods & Utian 2018). Jene Symptome können die Lebensqualität erheblich beeinflussen und sich unter anderem negativ auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Mögliche Auswirkungen umfassen beispielsweise eine insgesamt eingeschränkte Arbeitsfähigkeit, eine geringere Arbeitszufriedenheit, eine geringere Arbeitsproduktivität, eine Reduktion der Arbeitszeit oder sogar der Verlust des Arbeitsplatzes (Faubion et al. 2023; Geukes et al. 2012; Jack et al. 2016; Kagan et al. 2021; Whiteley et al. 2013). Potenziell befinden sich perimenopausale Frauen zudem in einer Doppelbelastungssituation, die aus Erwerbsarbeit und Sorgearbeit besteht, wobei letzteres in vielerlei Facetten gestaltet sein kann (Kinderbetreuung, Pflege Angehöriger etc.). Daher soll mithilfe einer innovativen Softwarelösung der niedrigschwellige und bedarfsgerechte Zugang zu Informationen rund um die Perimenopause gestärkt sowie der Umgang mit eigenen perimenopausalen Symptomen in verschiedenen Settings erleichtert werden. Die Gesundheitskompetenz der Userinnen wird gestärkt und die Einordnung eigener Symptome wird ihnen leichter fallen. Hauptziel ist hierbei, dass die Userinnen alltags- und praxisnahe Therapiestrategien zur Bewältigung der eigenen Symptomatik erlernen. Es sollen bspw. Risikofaktoren, die zu einem Ausscheiden aus dem Berufsleben oder zu einer Reduktion der Arbeitszeit führen können, abgebaut werden. Zudem wird der Zugang zu der inklusiven App auch für marginalisierte und besonders vulnerable Zielgruppen, wie z.B. Frauen mit Flucht- oder Migrationserfahrung, Frauen mit geringem Einkommen und/oder unsicheren Arbeitsplätzen sowie für queere Personen angestrebt (u.a. durch Mehrsprachigkeit und durch niedrigschwellig zugänglichen Chatbot). Die App kann für personalisierte Therapieempfehlungen sowie eine begleitende Edukation anonym, aufwandsarm und barrierearm genutzt werden. Tabuisierung und Stigmatisierung rund um das Thema sollen so ebenfalls abgebaut werden. Die technische Lösung könnte zudem ein Wegbereiter oder Anstoß für eine soziale Innovation (siehe Howaldt/Schwarz 2010: 54-55) im Umgang mit der Menopause sein.

Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE)

FEMNA Health M.E. GmbH

Juniorprofessur für Gesundheit und E-Health der Ruhr-Universität Bochum

Berlin Institute of Health der Charité Berlin

Assoziierte Partner:

Bezirksamt Berlin Marzahn-Hellersdorf

Hessisches Ministerium für Digitalisierung und Innovation

Techniker Krankenkasse

Robert-Koch-Institut

Übergeordnete Ziele des Teilvorhabens der Sozial­forschungs­stelle sind die Eruierung von Forschungslücken zur Perimenopause und die Analyse der Auswirkungen der Perimenopause auf das Leben perimenopausaler Frauen. Bislang gestaltet sich die Datenlage zu Auswirkungen der Perimenopause auf verschiedene Lebensbereiche betroffener Frauen als mangelhaft. Insbesondere fehlen Daten zum Einfluss der Perimenopause im Kontext der Erwerbsarbeit (Schulz 2025). Das Teilvorhaben der Sozial­forschungs­stelle wird sich daher zum einen auf die Erwerbsarbeit und zum anderen auf die Kontexte Sorgearbeit, privates soziales Umfeld sowie die Ärtz:innen-Patien:innenkommunikation beziehen und Möglichkeiten erarbeiten, Frauen mithilfe der KI-gestützten und bedarfsgerechten App Entlastung im Umgang mit ihren Symptomen anzubieten.

Zunächst werden mithilfe von Co-Creation Workshops sowie problemzentrierten Leitfadeninterviews Erkenntnisse über die Bedarfe der potentiellen Nutzerinnen erhoben, ausgewertet und aufbereitet. Parallel dazu werden die Forschungslücken herausgearbeitet, die die Verbesserung der Lebensqualität perimenopausaler Frauen betrifft. Über die Entwicklung von Use-Cases und Personas, die die Bedürfnisse der Userinnen abbilden, wird die bedarfsgerechte App vorbereitet. Hierfür nimmt die Sozial­forschungs­stelle eine zielgruppengerechte und diversitätssensible Konzeptionierung und Aufbereitung der Lerninhalte in iterativen Schleifen vor, die in einem Curriculum münden werden. Das Curriculum wird in Form von Lernmodulen Wissen über die Perimenopause, mögliche Symptome und den Umgang mit ihnen vermitteln. Darüber hinaus werden flexible Wissensbausteine, die die Userinnen über Chats, Foren und eigene Tagebucheinträge produzieren und nutzen können, implementiert sowie weiterführende Informationen über Beratungsstellen, Publikationen und andere Formate zur Verfügung gestellt. Nach Pilotierung der App wird mithilfe weiterer Co-Creation Workshops sowie leitfadengestützter Einzelinterviews mit Nutzerinnen und Gynäkolog:innen die tatsächliche Nutzungspassung der App evaluiert und entsprechend angepasst.