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Fakultät Sozialwissenschaften
BMFTR-Projekt KoSpiRIT gestartet

Neues Forschungsprojekt der sfs untersucht Voraussetzungen und Fördermöglichkeiten sozialer Verbundenheit in flexibilisierten Arbeitszusammenhängen als Resilienz-Ressource

Mehrere Personen stoßen in einer Teamrunde ihre Fäuste über einem Tisch zusammen, auf dem Laptops, Notizbücher und Pflanzen liegen. Darüber liegt das Logo „KoSpiRIT“. © Unsplash​/​Antonio Janeski, Schriftzug ©Kirschall
Wie soziale Verbundenheit in Unternehmen als Resilienzfaktor gestärkt werden kann, erforscht die Sozial­forschungs­stelle in den kommenden drei Jahren in ihrem neuen BMFTR-geförderten Projekt KoSPiRIT. Dabei werden in einem interdisziplinären Verbund aus Wissenschafts- und Praxispartnern Methoden verbundenheitsförderlicher Arbeitsgestaltung und das Potenzial kooperativer Spiele zur Stärkung der Verbundenheit innerhalb und zwischen Teams erforscht. Für die Praxis entsteht daraus ein interaktives Toolset.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Flexibilisierung und Hybridisierung von Arbeitszusammenhängen und der Erosion des Betriebs als sozialem Ort werden die sozialen Beziehungen der Mitarbeitenden untereinander mehr und mehr als neuralgischer Punkt Guter Arbeit sowie zentraler Ansatzpunkt zur Sicherung und Förderung von Resilienz offenbar. Interpersonale Prozesse des Austauschs zwischen verschiedenen Perspektiven in einem dafür geeigneten Organisationsklima bilden die Basis funktionaler Wahrnehmungs-, Kommunikations- und Handlungsfähigkeit. Diese wiederum sind nötige Voraussetzungen von Resilienz als Anpassungsfähigkeit von Unternehmen, Teams und Individuen an die sie konfrontierenden dynamischen Herausforderungen, die rechtzeitig erkannt, erfolgreich bewältigt, unter schneller Erholung verarbeitet und zur Weiterentwicklung genutzt werden wollen. 

Maßnahmen der Arbeitsgestaltung sowie des Teambuildings, die auf die Förderung der sozialen Verbundenheit von Mitarbeitenden abzielen, kommt daher eine zentrale Rolle zu, die allerdings in einem Missverhältnis zu deren real oft geringer Beliebtheit in der Belegschaft steht, wodurch soziale Verbundenheit als Schlüsselstelle zur Resilienzbildung, -sicherung und -förderung bislang nicht seinem eigentlichen Potenzial entsprechend produktiv gemacht werden kann.

In einem Verbund interdisziplinärer Wissenschaftspartner aus der Arbeitswissenschaft und Soziologie, Medienwissenschaft, Arbeitspsychologie und Spielwissenschaft sowie Praxispartnern aus dem IT-Bereich werden die nötigen Voraussetzungen zur systematischen Erschließung des Faktors soziale Verbundenheit als Resilienzressource auf der individuellen, der Team- und der organisationalen Ebene erforscht und die Erkenntnisse zur Erarbeitung eines Tools für Betriebe genutzt, mit der die jeweilige betriebliche Ausgangslage analysiert und passende Maßnahmen gefunden werden können. Neben der Sozial­forschungs­stelle Dortmund sind die beteiligten Partner die Universitätsmedizin Rostock, Institut für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, die Fachhochschule Dortmund, Fachgruppe Serious Games & Digital Knowledge, die Gesellschaft Perspektive Arbeit & Gesundheit gGmbH sowie die beiden Software-Unternehmen rku.it GmbH und Clausohm-Software GmbH. 

Das Projekt reagiert dabei auf Beobachtungen der Praxispartner, nach denen vorhandene Empfehlungen zur Steigerung der sozialen Verbundenheit in der Belegschaft bislang in der Umsetzung Probleme aufwerfen und nur unzureichend Wirkung zeigen. So haben etwa Teambuilding-Events und (kooperative) Teamspiele zwar grundsätzlich das Potenzial einer Förderung von Verbundenheit, Kooperation und Kreativität, stoßen aber bei den Beschäftigten oft auf Widerstände. Arbeitsgestaltungsmaßnahmen wie etwa Smart Working und Teampräsenztage wiederum fördern eher den Ausbau von bereits vorhandener Verbundenheit, nicht aber deren Aufbau zwischen noch distanzierten Gruppen. Um Differenzen und Distanzen in zunehmend diversifizierten und verteilt arbeitenden Belegschaften entgegenzuwirken, Sozialbeziehungen zu verbessern und so die Resilienz der Beschäftigten, Teams und Organisationen zu erhöhen, fehlen hier Möglichkeiten der differenzierten und passgenauen Empfehlung vorhandener Maßnahmen, die nicht nur zum Ausbau und Erhalt, sondern auch zur Herstellung arbeitsbezogener Verbundenheit beitragen.

Um die erwünschten Wirkungen zu zeigen und von der Belegschaft akzeptiert zu werden, müssen, so die Ausgangsthese des Projekts, sowohl kooperative Spiele als auch Arbeitsgestaltungsmaßnahmen dezidierter danach ausgewählt bzw. konzipiert werden, welche Grade an Verbundenheit zwischen den Beschäftigten herrschen und in welchen Formen diese zusammenarbeiten. Allerdings fehlen sowohl in der Beratungslandschaft als auch in der arbeitswissenschaftlichen und medienpädagogischen Forschung entsprechende Ansätze, die sowohl auf die Herausforderungen flexibel arbeitender und diverser Belegschaften eingehen als auch zwischen den bereits gegebenen Graden an Verbundenheit differenzieren. Die am Projekt KoSpiRIT beteiligten Partner wollen unter Bündelung ihrer Expertisen, Feldzugänge, Netzwerke und disziplinär wie arbeitsweltlich unterschiedlichen Blickwinkel gemeinsam diese Lücke schließen.

Die zentralen geplanten Ergebnisse sind zum einen die wissenschaftliche Fundierung von a) verbundenheitsförderlicher Arbeitsgestaltung als Resilienzbaustein und b) dem Potenzial kooperativer Spiele als verbundenheitsstärkende und damit resilienzfördernde Maßnahmen.

Für die Ebene der Praxis entsteht zum anderen ein Toolset, das Betriebe und überbetriebliche Akteure bei der differenzierten Analyse der Sozialbeziehungen in verschiedenen Arbeitskonstellationen unterstützt, geeignete Entwicklungsperspektiven in Bezug auf resilienzfördernde Elemente aufzeigt und eine Auswahl und Umsetzung der je geeignetsten Arbeitsgestaltungsmaßnahmen und kooperativen Spiele zur Stärkung der Verbundenheit ermöglicht. Damit können resilienzbezogene Maßnahmen passgenauer, akzeptanzförderlicher, effizienter und nachhaltiger konzipiert und eingesetzt werden. In das Toolset fließen die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung, der Erhebungen im Projekt, der praktischen Erprobung, der Validierung seitens begleitender Experten und der Evaluation ein, die im Laufe des Projektes partizipativ im Wissenschafts-Praxis-Verbund durchgeführt werden. Das Toolset wird, als Webanwendung umgesetzt, betrieblichen und überbetrieblichen Akteuren zur Verfügung stehen.