Gastvortrag von Frau Prof. Dilek Kurt (Yeditepe Universität, Istanbul) im Rahmen eines fachlichen Austauschs

Frau Prof. Kurt stellte in ihrem Vortrag die Situation kleiner und mittlerer Unternehmen in der Türkei vor und präsentierte Ergebnisse einer Befragung von Unternehmensberater:innen. Dabei zeigten sich teilweise vergleichbare Defizite in den Bereichen Organisation, Kompetenzentwicklung und Führung wie in Deutschland. Insbesondere das Thema Führung steht im Mittelpunkt ihres aktuellen Buches „Sosyodijital Liderlik: Etkileşim Yetkinliği ile Sosyodijital Dönüşümde Başarı“, mit dem sie explizit an Forschungsergebnisse und Publikationen der Sozial­forschungs­stelle anknüpft.
Wie in weiteren Präsentationen und Diskussionen deutlich wurde, bildet der soziotechnische bzw. soziodigitale Systemansatz die gemeinsame konzeptionelle Grundlage sowohl der Arbeiten von Frau Prof. Kurt als auch zentraler Arbeitsforschungsprojekte der Sozial­forschungs­stelle. Er ermöglicht eine integrierte Betrachtung gemeinsam zu gestaltender Faktoren und wirkt technologischen Vereinseitigungen entgegen, indem er partizipative Ansätze in der Unternehmensentwicklung und Technologieeinführung stärkt. Auch im Kontext von Industrie 4.0 und verstärkt von Industry 5.0 wird eine Orientierung an diesem Ansatz empfohlen, ohne dass bislang ein quantitativ und qualitativ zufrieden stellender Transfer von der Programmatik in die Praxis gelingt. Zugleich wurde kritisch hervorgehoben, dass der Ansatz angesichts der Dynamik der Digitalisierung und im Kontext von Industrial AI einer stärkeren empirischen Weiterentwicklung bedarf. Ob hierfür ausreichende Ressourcen durch Forschungs- und Industriepolitik bereitgestellt werden, wurde skeptisch beurteilt. Trotz wiederholter historischer Rückschläge wurde die Gefahr einer erneuten Dominanz technologischen Determinismus als hoch eingeschätzt.
Obwohl die Sozial­forschungs­stelle an einer Vielzahl europäischer Projekte – insbesondere zur Qualifikations- und Kompetenzentwicklung – beteiligt ist, wurde die insgesamt geringe Präsenz der Arbeitsforschung in EU-Projekten problematisiert.
Den Abschluss bildeten Überlegungen zur Vertiefung des bilateralen Austauschs sowie zu konkreten Perspektiven der Zusammenarbeit bei der weiteren Einwerbung von Forschungsprojekten.





